Litigation-PR ist in grossen Verfahren längst Teil der Strategie – nur die Schweiz tut oft so, als spiele sich Justiz im luftleeren Raum ab. Während Staatsanwaltschaften offensiv kommunizieren und Schlagzeilen Biografien prägen, bleiben Beschuldigte und ihre Anwälte meist stumm. Im Gespräch mit Inside-Justiz erklärt Wirtschaftsrechtsprofessor und Prozesskommunikationspionier Patrick L. Krauskopf, warum der Hamburger Fall Block als Lehrstück gelungener Litigation-PR taugt, der Fall Ignaz Walker zum Mahnmal für kommunikatives Versagen wird…
Jahr: 2025
«Die Jagd nach Whistleblowern: Was bleibt vom Schweizer Quellenschutz?»
Quellenschutz ist kein Luxus, sondern Infrastruktur der Demokratie. Ohne ihn verstummen Whistleblower, werden Missstände unsichtbar, bleibt die Gesellschaft blind. Doch die Schweiz lebt seit Jahren mit einem Paradox: Die Justiz soll Geheimnisverrat ahnden, hat aber bei Leaks an Medien kaum prozessuale Werkzeuge – weil das Gesetz den Schutz extrem weit zieht. Staatsanwalt Damian K. Graf stellt diese Asymmetrie in seinem Beitrag auf Medialex ins Schaufenster und fordert eine präzise Korrektur.…
Die schriftliche Urteilsbegründung ist da: Verschulden des Bündner Vergewaltigungsrichters lediglich «leicht»
Das schriftliche Urteil des Regionalgerichts Plessur liegt vor. Es hält fest, dass das Verschulden des ehemaligen Verwaltungsrichters, der seine Praktikantin über Wochen bedrängt und schliesslich vergewaltigt hatte, als «leicht» einzustufen sei.
Schriftliches Churer Urteil: Befürchtungen bestätigt
Die Strafzumessung im Bünder Vergewaltigungsfall überzeugt auch in der schriftlichen Urteilsbegründung nicht, findet Lorenzo Winter in seinem Kommentar zu dem 139-seitigen Urteil.
Deutschland schockiert über neuen Übergriff der Justiz wegen kritischer Meinungsäusserung
Beim emeritierten Medienwissenschafter Norbert Bolz wurde eine Hausdurchsuchung durchgeführt, weil er in einem Tweet den Satz «Deutschland erwache» verwendet hatte. Ziemlich ganz Deutschland ist entsetzt.
Medien-Maulkorb – ein juristischer Dammbruch im Fall Schär
Eine Berner Richterin hat der Weltwoche und dem Medienblog Zackbum.ch auf Antrag des Anwalts von Prof. Bernhard C. Schär verboten, über ein laufendes Verfahren zu berichten. Der an der Universität Lausanne lehrende Historiker, der für seine postkolonialen Theorien bekannt ist, sah sich durch mehrere kritische Artikel in seiner Persönlichkeit verletzt. Die Beiträge – unter anderem von René Zeyer – hatten Schärs Gutachten zu den Zürcher „Mohrenkopf“-Inschriften als ideologisch gefärbt und…
Südostschweiz: Bündner Justiz mit Beisshemmung
Der Vergewaltigungsfall um den ehemaligen Verwaltungsrichter aus Graubünden sorgt weiter für Schlagzeilen. Die Südostschweiz berichtet über massive Kritik an der Justiz – diesmal wegen der Verzögerung des schriftlichen Urteils, das nach fast einem Jahr immer noch nicht vorliegt. Der Jurist und ehemalige SP-Gemeinderat Jean-Pierre Menge spricht im Interview von „Beisshemmungen“ und einem Verfahren, das „zu lange, zu milde und zu wenig transparent“ geführt worden sei.
Glarus – Gnade und der lange Schatten der Zeit
In Glarus gibt es Gnade nur auf dem Papier. Im Fall des Treuhänders aus den Jahren 2004 bis 2006 ist das Ermessen äusserst eingeschränkt. Der Fall ist alt, die Haft ist neu – und doch wirkt alles aus der Zeit gefallen. Trotz eines Zeitabstands von fast zwei Jahrzehnten lehnt Glarus den gezielten Teilerlass ab, diskutiert einen orchestriert wirkenden Kommissionsbericht kaum öffentlich und lässt zentrale Fragen bei der Strafanstalt Saxerriet offen.…
Schriftliches Urteil gegen Vergewaltigungsrichter überfällig
60 Tage, bei komplexen Fällen 90 Tage. Solange hat ein Gericht gemäss StPO Zeit, um ein schriftlich begründetes Urteil zu schreiben. Im Falle des Bündner Vergewaltiungsrichters sind über 300 Tage vergangen. Das hilft nur einem: dem Täter.
