Der Fall Roos: Öffentlich verhandelt, öffentlich benannt, öffentlich beurteilt

Mit der öffentlichen Hauptverhandlung vor dem Kreisgericht See-Gaster wurde im Fall Markus Roos eine Schwelle überschritten, die in der Schweizer Justizberichterstattung lange umstritten war: die Namensnennung. Nachdem Inside-Justiz bereits früh über den Beschuldigten berichtet hatte, ziehen nun auch etablierte Medien nach. Der Fall Roos ist damit nicht nur ein Strafprozess von erheblicher Tragweite, sondern auch ein Lehrstück über Transparenz, Medienfreiheit und die Frage, ab wann Öffentlichkeit geboten ist.

Ohrfeige für die Regierungsräte – Zürcher Verwaltungsgericht beendet Geheimzirkel

Das Zürcher Verwaltungsgericht beendet einen siebenjährigen Streit um die Veröffentlichung von Protokollen der Gesundheitsdirektorenkonferenz und schafft ein Präjudiz: Die interkantonalen Konferenzen müssen Beschlussprotokolle ihrer Sitzungen offenlegen.

Der Fall Talal Aldroubi: Wenn die Politik die Gewaltenteilung als Ausrede missbraucht

Am Dienstag, 16. Dezember 2025, musste die Thurgauer Zeitung etwas festhalten, das in einem rechtsstaatlichen Verfahren eigentlich banal sein sollte – hier aber zum Kernproblem wird: SVP-Fraktionschef Hermann Lei behauptete öffentlich, Talal Aldroubi habe den Sprachtest nicht bestanden. Das ist falsch. Aldroubi habe alle nötigen Prüfungen bestanden, die Zeitung verfügt über Zertifikate und eine Echtheitsbestätigung der ausstellenden Institution. Richtig sei einzig, dass er im Modul Lesen B1 beim ersten Versuch…

„Wie viele gemeinsame Biere machen befangen?“ – der Fall Muschietti

In der Schweizer Justiz ist es selten, dass die Bundesanwaltschaft beim Bundesgericht in Lausanne ein Revisionsgesuch stellt. Im Fall 6F_18/2024 hatte sie jedoch einen begründeten Anlass dazu. Bundesrichter Giuseppe Muschietti ist in einem Fallkomplex involviert, den er bereits in seiner Zeit als Bundesstrafrichter beurteilte. Die Bundesanwaltschaft verlangt Revision – und scheitert nicht an der Sache selbst, sondern an einer neuen, hochproblematischen Logik: Wer Ausstand will, hätte ihn vorsorglich beantragen müssen,…

Südostschweiz: Bündner Justiz mit Beisshemmung

Der Vergewaltigungsfall um den ehemaligen Verwaltungsrichter aus Graubünden sorgt weiter für Schlagzeilen. Die Südostschweiz berichtet über massive Kritik an der Justiz – diesmal wegen der Verzögerung des schriftlichen Urteils, das nach fast einem Jahr immer noch nicht vorliegt. Der Jurist und ehemalige SP-Gemeinderat Jean-Pierre Menge spricht im Interview von „Beisshemmungen“ und einem Verfahren, das „zu lange, zu milde und zu wenig transparent“ geführt worden sei.

Schluss mit «Planted Chicken»

Das Bundesgericht verbietet Lebensmittelbezeichnungen wie «Planted Chicken». Fleischbezeichungen wie Poulet, Schwein oder Rind dürften ausschliesslich für Fleischprodukte verwendet werden, um die Konsumenten nicht zu täuschen.

Nicole Dill obsiegt in Strassburg

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte verurteilt die Schweiz in dem publizitätsträchtigen Fall Dill: Die Frau war von ihrem Lebenspartner fast ermordet worden. Die Behörden wussten zwar um die Gefährlichkeit des Mannes, aber niemand warnte das Opfer explizit genug - findet der EGMR. Der Schweizer Richter vertrat allerdings eine widersprechende Minderheitenposition.

Marianne A. wird auch vom Obergericht schuldig gesprochen

Auch das Berner Obergericht verurteilt Marianne A.* wegen Mordes an ihrer Tochter Emma*. Sie soll eine Freiheitsstrafe von 18 Jahren absitzen. Die Mutter hatte in dem Indizienprozess ohne klare Beweise immer ihre Unschuld behauptet udn hält auch weiterhin daran fest. Ihr Verteidiger hat angekündigt, das Urteil ans Bundesgericht weiterzuziehen.

War sie es oder war sie es nicht?

Am Montag geht vor dem Berner Obergericht der Kindsmord vom Könizerbergwald in die zweite Runde. Die Mutter Marianne A.* ist beschuldigt, ihre Tochter Emma* ermordet zu haben. Im erstinstanzlichen Urteil wurde sie bereits wegen Mordes verurteilt, obwohl sie die Tat leugnet und die Indizienkette einige Fragen aufwirft.

Aufsicht über die höchsten Richterinnen und Richter verstärken

Das Parlament will die Richterinnen und Richter mehr an die Kandarre nehmen. Die Geschäftsprüfungskommissionen der eidgenössischen Räte haben sich auf eine parlamentarische Initiative geeinigt, mit der gesetzliche Grundlagen für ein Disziplinarrecht gegenüber den Richtern verlangt werden.